In Russland macht man nach jedem Absatz einen Zeilenabstand, in Polen isst man Kajserkas (Kaiserbrötchen): Deutsche Worte sind in viele Sprachen ausgewandert. Genauso viele „Einwanderer“ gibt es hierzulande, und nicht nur Anglizismen, auch z. B. viele französische Wörter. Wir erzählen eine Anekdote, gehen zum Friseur, sitzen visavis und bedanken uns mit Merci.

Sogenannte Germanismen haben sich in viele Sprachen geschmuggelt. Man hört, liest und spricht sie von Indonesien bis Chile. Dabei kann man auch bei den deutschen Lehnwörtern verschiedene Auswanderungswellen ausmachen. Ob als Besatzer im Krieg, als Kolonialherrscher oder als Auswanderer: Die Deutschen hatten stets auch ihre Sprache im Handgepäck.

Heimisch wurden deutsche Wörter so auch bei unseren östlichen Nachbarn. Unter Katharina der Großen wanderten viele Deutsche nach Russland aus. Seither isst man dort gerne butterbrot, auf dem sich übrigens jeglicher Belag, aber keine Butter findet. Hinter kyrillischen Zeichen verborgen lebt in der russischen Fremde noch heute die bruderschaft, der poltergeist, das fejerwerk und das wunderkind. Eher unfreiwillig reisten viele Germanismen im Tross der Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Blitzkrieg, offizier oder spionage kennt man fast überall.

Kurios: Während „Gemuetlichkeit“ im Amerikanischen neben dem Gefühl der Zusammengehörigkeit auch die Bierstube bedeutet, heißt es im Französischen exakt – „Gemütlichkeit“, wie uns unser Französisch-Übersetzer C. Mitlehner bestätigte. Ob und wie eine Sprechergemeinschaft ein Wort übernimmt, hängt wesentlich davon ab, ob es für einen Gegenstand oder einen Sachverhalt in der eigenen Sprache ein passendes Wort gibt. Das fremde Wort füllt die Lücke und wird oft der eigenen Aussprache oder Schreibweise angepasst: Aus der Wurst wird in Finnland etwa wursti. Das Wort wird dabei meist nicht bewusst übernommen. Zunächst verwenden es meist nur einige Sprecher, dann verbreitet es sich. So wandern oft mit kulinarischen Gerichten auch deren Eigennamen ein. So heißen das Schnitzel und die Brezel überall gleich. In Deutschland isst man dafür Pizza, Curry und Pommes.

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